Bereits am Boden deutete sich an, wohin sich der Wettkampf entwickeln würde. Wetzgau eröffnete stark und gewann das erste Duell, doch die Antwort der KTV folgte unmittelbar: Nick Klessing und Illia Kovtun setzten deutliche Akzente und verschafften ihrem Team mit 7:5 ein erstes, tragfähiges Polster. Am Pauschenpferd spielte Straubenhardt dann seine ganze Routine aus. Der 42-jährige Daniel Popescu, der an diesem Abend seine letzte Bundesliga-Kür turnte, eröffnete mit ganz viel Ruhe. Kovtun und Nils Dunkel bauten die Führung weiter aus.
Die Ringe wurden schließlich zum Schlüsselgerät des Abends. In einer beeindruckenden Serie holte Straubenhardt ein selten klares 14:0 – ein Ergebnis, das selbst im taktisch geprägten Scoresystem nur selten vorkommt. Zwar meldete sich der TV Wetzgau nach der Pause am Sprung noch einmal zurück und gewann das Gerät 7:3. Straubenhardt blieb auch am Barren stark und nahm dem Gegner weitere elf Punkte ab. Am Reck vollendete die KTV den Abend mit der gleichen Stabilität, die sie durchs Finale getragen hatte.
Für die KTV-Anhänger war es ein emotionaler Wettkampftag, nicht nur wegen des zehnten Titels. Sowohl Daniel Popescu als auch Lukas Dauser deuteten in Heidelberg ihren Abschied aus der Bundesliga an. Mit dem zehnten Meisterschaftsgewinn führt die KTV Straubenhardt die Liga nun allein an und hat eine Ära vollendet, die mit diesem Finale endgültig in die Geschichtsbücher eingeht.
Kleines Finale Männer: TG Saar holt Platz drei – Cottbus unterliegt im letzten Moment
Im Duell um Bronze sorgten die TG Saar mit Gabriel Eichhorn und der SC Cottbus für das dramatischste Duell des Finalwochenendes. Erst die letzte Übung des gesamten Wettkampfs brachte die Entscheidung – und sie gehörte Florian Lindner, der in der letzten Kür seiner Karriere vier Punkte an den Ringen erturnte und Saar mit 34:33 zum Sieg führte. Zuvor hatten sich beide Mannschaften über sechs Geräte hinweg ein Duell auf Augenhöhe geliefert, in dem sich keine Seite entscheidend absetzen konnte. Cottbus dominierte phasenweise, Saar blieb geduldig – eine Spannung, die sich erst in Lindners letzter Übung entlud. Die TG Saar beendet die Saison damit auf Rang drei, während Cottbus trotz starker Abschnitte mit leeren Händen dasteht.
Frauenfinale: Tittmoning-Chemnitz stürzt Serienmeister Stuttgart
Im Finale der Frauen setzte sich mit dem TSV Tittmoning-Chemnitz das Team durch, das bereits in der regulären Saison vier Siege errungen hatte – und im Finale in Heidelberg seine stärkste Leistung zeigte. Die Startgemeinschaft aus Bayern und Sachsen entthronte Rekordmeister MTV Stuttgart.
Der Wettkampf begann für Tittmoning-Chemnitz ideal. Europameisterin Karina Schönmaier eröffnete am Sprung mit einem hochwertigen Jurtschenko mit Doppelschraube. Mit rund 20 Punkten Vorsprung gingen die Chemnitzerinnen an den Boden und lieferten dort vier ausdrucksstarke und sichere Übungen, die den Titel endgültig besiegelten.
Für den MTV Stuttgart, der nur mit vier Turnerinnen antreten konnte, war es ein schwieriger Wettkampf. Die Ausfälle von Helen Kevric, Madita Mayr und Marlene Gotthardt wogen schwer, weshalb die Stuttgarterinnen kurzfristig Ruby Pass verpflichteten. Die Australierin gewann drei ihrer vier Duelle und steuerte insgesamt neun Scorepunkte bei. Nur am Balken vergab sie wertvolle Punkte durch zwei Stürze. Maha Feniuk überzeugte mit einer starken Balkenübung gegen Lara Baumgartl und brachte fünf Scorepunkte ein.
Trotz einer mutigen Vorstellung reicht es für den MTV Stuttgart am Ende nicht, nach 15 Jahren in Folge, den Titel erneut zu verteidigen.

